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Solaroffensive: Lex Bodenmann ist bereinigt

Bundesrat genehmigt Krisenstab für die Energiemangellage

Bundesrat Guy Parmelin stellt an einer Medienkonferenz den Krisenstab für einen allfälligen Energiemangel vor. Bern, 30. September 2022

Peter Klaunzer / Keystone

gds. Der Bundesrat hat den Krisenstab genehmigt, der zum Einsatz kommen soll, falls es in der Schweiz zu wenig Strom oder zu wenig Gas geben sollte. Dies gab die Regierung am Freitag (30. 9.) in einer Medienmitteilung bekannt. Der Krisenstab wird aktiviert, falls der Bund direkt in den Markt eingreifen müsste, zum Beispiel durch verordnete Sparmassnahmen, Kontingentierungen oder eine zentrale Angebotssteuerung.

Innerhalb des Krisenstabs wird auf Wunsch des Bundesrats eine zentrale Kommunikationsstelle – ein «Single Point of Contact» – eingerichtet, an die sich Kantone und Wirtschaftsverbände bei einer Mangellage richten können. Diese werde bereits ab Montag, 10. Oktober 2022, alle Anfragen der Kantone und Wirtschaftsakteure entgegennehmen, die von Massnahmen betroffen sind, welche eine Mangellage verhindern sollen. Bürgerinnen und Bürger sowie einzelne Unternehmen sollen sich allerdings weiterhin an die Hotline wenden, schreibt der Bundesrat. Diese ist unter der Telefonnummer 0800 005 005 oder per E-Mail unter [email protected] erreichbar.

Der Bundesrat begründet den Ausbau des Krisenstabs mit der Kommunikationsstelle mit den Erfahrungen aus der Covid-19-Krise. Sie habe gezeigt, wie wichtig es sei, die verschiedenen Partner bereits in den Phasen vor den endgültigen Entscheidungen einzubeziehen, schreibt der Bundesrat.

An einer Medienkonferenz am Freitagnachmittag sagte Bundesrat Guy Parmelin: «Wir sind heute nicht in einer Mangellage – und ich hoffe, dass diese auch nie eintritt.» Es gelte jedoch heute schon, Strom zu sparen. «Jede Kilowattstunde zählt.» Derzeit gebe es aber keine Absicht, den Markt mit Vorgaben zum Energieverbrauch zu regulieren.

Um Flickenteppich zu vermeiden: Maximal 19 Grad in der Wohnung soll für alle gelten

Heizung aus: Mehr als 19 Grad sollen es nicht sein in den Wohnungen.

Heizung aus: Mehr als 19 Grad sollen es nicht sein in den Wohnungen.

Imago/Winfried Rothermel

kca.

Im Falle einer Gasmangellage soll in öffentlichen und privaten Innenräumen auf maximal 19 Grad geheizt werden dürfen. Dies will der Bundesrat vorschreiben. Allerdings gilt diese Vorschrift laut dem Entwurf der Verordnung aber nur für Häuser mit Gasheizungen – also lediglich in rund einem Fünftel der Schweizer Haushalte. Das Gros der Haushalte heizt jedoch mit anderen Mitteln: Etwa mit Öl, Wärmepumpen, Holz oder mit Fernwärme. Laut dem Vorschlag der Landesregierung wären die Bewohner dieser Haushalte jedoch von einer Höchst-Heiztemperatur von 19 Grad befreit.

Laut den Tamedia-Zeitungen warnen nun mehrere grosse Verbände vor einem Chaos bei verschiedenen Verboten und Vorschriften. Laut dem Schweizerischen Städteverband seien sich viele Menschen gar nicht bewusst, mit welcher Energiequelle die Wärme in ihrer Wohnung erzeugt werde. Der Verband forderte in seiner Stellungnahme deshalb «Solidarität» von allen und gleiche Regeln für alle. Das bedinge generelle Verbote: «Sie schaffen die in der Krise wichtige Klarheit und vermeiden eine Umgehung der Vorschriften und ein Flickenteppich an verwirrenden Vorschriften.»

Gleich tönt es auch beim Schweizerischen Gemeindeverband. Dieser verwies auf die Erfahrung aus der Corona-Krise. Diese habe gezeigt, dass unterschiedliche Vorschriften mehr schaden würden als nützen. Auch Swisspower und der Hauseigentümerverband forderten, dass alle Haushalte gleich behandelt würden, was «sinnvoller und gerechter» sei. Ausnahmen solle es lediglich für alte und pflegebedürftige Personen geben. Diese sollen vom Temperatur-Regime ausgenommen sein.

Österreich und die Schweiz wollen gemeinsam gegen irreguläre Migration vorgehen

Auch mit Deutschland wollen sich Österreich und die Schweiz absprechen. Im Bild: Ein Grenzpolizist in Frankfurt an der Oder kontrolliert Fahrzeuge aus Polen.

Auch mit Deutschland wollen sich Österreich und die Schweiz absprechen. Im Bild: Ein Grenzpolizist in Frankfurt an der Oder kontrolliert Fahrzeuge aus Polen.

Sean Gallup / Getty Images Europe

ran. Die Schweiz und Österreich wollen künftig enger zusammenarbeiten, um irreguläre Migration zu bekämpfen. Darauf haben sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter und Österreichs Bundesinnenminister Gerhard Karner laut einem Communiqué bei einem Arbeitstreffen in Zürich geeinigt.

Der Aktionsplan der beiden Länder sehe gemeinsame migrationspolitische Initiativen auf europäischer Ebene und eine engere bilaterale Zusammenarbeit vor. Dazu zählen laut Medienmitteilung auch grenzpolizeiliche Massnahmen. Grund für den Schritt sei die irreguläre Migration auf der Balkanroute, die in den vergangenen Monaten stark zugenommen habe.

Demnach streben Österreich und die Schweiz zusammen mit Deutschland, Kroatien und Slowenien via EU-Kommission eine Anpassung der Visumspolitik der Westbalkanstaaten an. «Damit soll verhindert werden, dass eine liberale Visumspolitik zum Treiber der irregulären Migration auf der Balkanroute wird», heisst es im Communiqué. Der Aktionsplan sieht eine Reform des europäischen Asyl- und Migrationssystems vor. Auch der Schengener Grenzkodex soll angepasst werden. Zudem soll das Schlepper- und Schleuserwesen stärker bekämpft werden.

«Lex Bodenmann»: Die Vorlage ist bereinigt

Der Kompromiss bei der sogenannten «Lex Bodenmann» sieht vor, dass in wertvollen Schutzgebieten keine Freiflächenanlagen gebaut werden dürfen.

Der Kompromiss bei der sogenannten «Lex Bodenmann» sieht vor, dass in wertvollen Schutzgebieten keine Freiflächenanlagen gebaut werden dürfen.

Valentin Flauraud / Keystone

bin. Die Solar-Offensive kann gezündet werden. Der Ständerat ist am Dienstag dem Nationalrat gefolgt und hat die leicht abgeänderte Vorlage ohne Gegenstimme gutgeheissen. Der Kompromiss bei der sogenannten «Lex Bodenmann» sieht vor, dass in wertvollen Schutzgebieten keine Freiflächenanlagen gebaut werden dürfen. Die Energieproduktion hat gegenüber dem Umwelt- und Naturschutz nur noch «grundsätzlich» Vorrang, das heisst, dass Projekte im Einzelfall weiterhin bekämpft werden könnten. Schliesslich bleibt die Pflicht, die Umweltverträglichkeit der Projekte zu prüfen. Nebst dem Zubau grosser Solaranlagen in den Alpen umfasst die Vorlage auch die Erhöhung der Grimsel-Staumauer. Die zuständige Energieministerin Simonetta Sommaruga zeigte sich im Plenum zufrieden mit der «sportlichen Energie» und der Kompromissbereitschaft des Parlaments. Über die Dringlichkeit des Gesetzes werden die Räte noch separat abstimmen.

Das Covid-Zertifikat bleibt bis 2024

Das Zertifikat, das ausweist, ob jemand geimpft, genesen oder negativ getestet ist, wird vorläufig beibehalten.

Das Zertifikat, das ausweist, ob jemand geimpft, genesen oder negativ getestet ist, wird vorläufig beibehalten.

Christoph Ruckstuhl / NZZ

bin. Der Nationalrat hat die Gültigkeit des Covid-Gesetzes verlängert. So wird das Zertifikat, das ausweist, ob jemand geimpft, genesen oder negativ getestet ist, beibehalten. Die Gesetzesgrundlage sei vor allem für Reisen ins Ausland wichtig, sagte der Gesundheitsminister Alain Berset. Man wisse nicht, welche Einreisebestimmungen in anderen Ländern künftig gelten würden. Deshalb müssten die hiesigen Grundlagen bestehen bleiben, damit die Zertifikate in der Schweiz weiterhin ausgestellt werden können. Das Covid-Gesetz, das im September 2020 in Kraft trat und dem die Bevölkerung seither zweimal zugestimmt hat, soll bis 2024 in Kraft bleiben. Allein die SVP bekämpfte die Beibehaltung des Gesetzes. Das Geschäft geht nun in den Ständerat.

Postfinance-Privatisierung hat im Parlament keine Chance

vof.

Die Postfinance solle privatisiert werden und künftig Kredite und Hypotheken vergeben dürfen. Diesen Plan hatte der Bundesrat im Sommer 2021 gefasst, um das Geschäftsmodell des Unternehmens zu stabilisieren, das aufgrund von Negativ- und Tiefzinsen in den letzten Jahren stark gelitten hat.

Das Parlament hat den Plan abgeschmettert. Nach dem Ständerat stellte sich am Montag auch der Nationalrat deutlich gegen die Vorlage.

Zwar waren sich die Parlamentarier in der Debatte vom Montag einig, dass die Postfinance vor grösseren Herausforderungen stehe. Allerdings ergebe eine Privatisierung wenig Sinn, solange nicht klar sei, wie die Grundversorgung ausgestaltet werden solle, sagte Katja Christ (GLP, Basel-Stadt) stellvertretend für viele der Redner bei der gestrigen Abstimmung. Philipp Matthias Bregy (Die Mitte, Wallis) sprach von ungleichen Spiessen im nationalen Markt, würde die Postfinance vor der Definition des Grundversorgungsauftrags ins Kredit- und Hypothekargeschäft eintreten dürfen.

Die Postfinance bleibt staatlich und darf weiterhin keine Kredite und Hypotheken vergeben.

Die Postfinance bleibt staatlich und darf weiterhin keine Kredite und Hypotheken vergeben.

Arnd Wiegmann / Reuters

Sonst waren die Gründe für eine Ablehnung allerdings divers. Die SP sei für die Aufhebung des Kredit- und Hypothekarverbots gewesen, sagte Jon Pult (SP, Graubünden). Allerdings sei sie «gegen die vollständige Privatisierung der Postfinance und damit eine Aufspaltung des Postkonzerns». So äusserten sich auch die Grünen. Für sie wäre es eine pragmatische Lösung gewesen, der Post die Vergabe von Krediten und Hypotheken zu ermöglichen, sagte Michael Töngi (GPS, Luzern). Ob man die Postfinance privatisieren solle, hätte man anschliessend diskutieren können.

Kurt Fluri (FDP, Solothurn) ging hinsichtlich fehlender Klarheit bei der Grundversorgung mit den Linksparteien einig, machte aber deutlich, weiterhin eine Privatisierung der Postfinance anzustreben: «Ihre Haltung – jene der Grünen und der SP –, bereits jetzt und offenbar auf ewige Zeiten eine Privatisierung der Postfinance abzulehnen, halten wir für absolut dogmatisch und ideologisch.»

Der SVP wiederum ging es – wie auch der FDP – auch um verfassungsrechtliche Fragen.

Sichtlich unzufrieden mit dem Verlauf der Diskussion war die zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga. «Ich verstehe es bis heute Abend nicht und werde auch weiterhin nicht verstehen, wo Sie hier das Ungleichgewicht gegenüber den Staatsbanken der Kantone sehen», so fasste die Uvek-Vorsteherin das eben Gehörte zusammen. Fast ein wenig trotzig führte sie an: «Die Aussage heute, das Nichteintreten heute, ist für den Bundesrat kein klares Signal. Niemand hier kann behaupten, er oder sie hätte jetzt den Hauptgrund für das Nichteintreten genannt, denn es wurden die unterschiedlichsten Gründe erwähnt.» Mit dem Nichteintreten würden die Nationalräte entscheiden, dass die Postfinance weiter an Ertragswert verliere.

Das Votum der Bundesrätin verhallte im Saal. Mit 156 Stimmen und 32 Enthaltungen – Letzte stammten vor allem von den Grünen – schmetterte der Nationalrat die Botschaften ab.

Der Bundesrat will nun bis nächsten Sommer einen Bericht zur Post vorlegen. Spätestens dann wird die Debatte weitergehen.

Falsch gezählt: Kanton Solothurn lehnt AHV-Vorlage ab

464 falsch gezählte Stimmen in Balstahl führten dazu, dass der Kanton Solothurn die AHV-Vorlage nun ablehnt.

464 falsch gezählte Stimmen in Balstahl führten dazu, dass der Kanton Solothurn die AHV-Vorlage nun ablehnt.

Alessandro Della Valle / Keystone

vof.

In der Solothurner Gemeinde Balsthal ist am Sonntag (25. 9.) beim Auszählen der Stimmen zur AHV-Vorlage ein Fehler passiert, wie die Staatskanzlei des Kantons Solothurn in einer Medienmitteilung schreibt. Eine Nachzählung habe ergeben, dass am Sonntag teilweise die Ja- und Nein-Stimmen verwechselt worden seien.

Für das kantonale Endresultat waren die insgesamt 464 Stimmen, die dem falschen Lager zugeschrieben wurden, entscheidend. Der Kanton Solothurn lehnt die Vorlage mit 50,18 Prozent ab. Ursprünglich war vermeldet worden, dass die Vorlage mit 50,32 Prozent angenommen worden war.

Am gesamtschweizerischen Ergebnis ändert sich derweil nichts. Der Vorsprung der Befürworter sank zwar, die Vorlage wurde aber immer noch mit einem Vorsprung von 31 852 Stimmen angenommen.

Schweizer Luftwaffe begleitet niederländisches Flugzeug aus dem Schweizer Luftraum

Zwei F/A-18-Kampfjets begleiteten ein niederländisches Flugzeug ohne Funk im Schweizer Luftraum nach Italien.

Zwei F/A-18-Kampfjets begleiteten ein niederländisches Flugzeug ohne Funk im Schweizer Luftraum nach Italien.

Sigi Tischler / Keystone

ran. Am Sonntagvormittag (25. 9.) musste die Schweizer Luftwaffe zu einer «Hot Mission» starten. Sie griff ein, als ein niederländisches Flugzeug des Typs PC-12 über Funk nicht erreichbar war. Dieser Einsatz des sogenannten Quick Reaction Alert (QRA) sei erfolgreich durchgeführt worden, teilte die Schweizer Armee am Sonntag in einem Communiqué mit. Beim QRA handelt es sich um den permanenten Luftpolizeidienst.

Die Armee sei um 10 Uhr 41 von den französischen Behörden darüber informiert worden, dass sich ein in den Niederlanden gestartetes Flugzeug ohne Funkverbindung über Colmar befinde. Bei Waldshut in Deutschland überflog das Flugzeug um 10 Uhr 53 die Schweizer Grenze. Acht Minuten später sei eine QRA-Patrouille mit zwei F/A-18-Kampfjets in Payerne gestartet, schreibt die Schweizer Armee.

Die Jets erreichten das Flugzeug um 11 Uhr 13 über Samedan. Laut der Mitteilung konnte der Pilot dazu gebracht werden, den Funkkontakt wiederherzustellen. Die Kampfjets begleiteten die PC-12 bis zum italienischen Luftraum westlich des Gardasees und kehrten schliesslich noch vor dem Mittag zurück.

Bundesrat empfiehlt die Umschaltung von Zweistoffanlagen

kca.

Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) empfehlen die Umschaltung von Zweistoffanlagen auf Heizölbetrieb ab dem 1. Oktober 2022. Das geht aus einer Mitteilung des Bundesrats vom Freitag (23. 9.) hervor.

Mit der Umsetzung dieser Empfehlung könne die Schweiz schnell grosse Mengen an Gas einsparen, hiess es. Dies solle massgeblich zum Erreichen des freiwilligen Gassparziels von 15 Prozent beitragen, das die Schweiz analog zur EU von Oktober 2022 bis März 2023 anstrebt.

Um den Umstieg zu erleichtern, hat der Bundesrat bereits am 16. September befristete Erleichterungen für Zweistoffanlagen erlassen. Dies, weil diese im Heizölbetrieb die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung insbesondere für Stickoxide nicht in jedem Fall einhalten können.

Wie der Bundesrat weiter schreibt, werden die Pflichtlager für Autobenzin, Diesel- und Heizöl sowie Flugpetrol freigegeben, um die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten auch ab Oktober 2022 sicherstellen zu können. Eine entsprechende Verordnung trete am 3. Oktober 2022 in Kraft. Laut der wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) reichen die Pflichtlager für Autobenzin, Dieselöl und Heizöl für rund 4,5 Monate, beim Flugpetrol reichen die Reserven für rund 3 Monate.

Bundesrat verurteilt Scheinreferenden Russlands in den besetzten Gebieten

Bundespräsident Ignazio Cassis hat Russland schon am Mittwoch signalisiert, dass die Schweiz die inszenierten Referenden nicht akzeptiere.

Bundespräsident Ignazio Cassis hat Russland schon am Mittwoch signalisiert, dass die Schweiz die inszenierten Referenden nicht akzeptiere.

Pierre Albouy / Keystone

tsf.

Die Schweiz nimmt deutlich gegen die von Russland inszenierten Scheinreferenden in der Ukraine Stellung. «Die sogenannten Referenden in den von Russland teilweise besetzten Gebieten der Ukraine finden unter nicht rechtskonformen Umständen statt und sind völkerrechtswidrig», teilte der Bundesrat am Freitag mit. Die Landesregierung verurteile diese neuerliche Verletzung der ukrainischen Souveränität durch Russland und werde die Ergebnisse der sogenannten Referenden auch nicht anerkennen. Bundespräsident Ignazio Cassis habe dem russischen Aussenminister Lawrow diese Position am Mittwoch in New York klar dargelegt. Das EDA habe am Donnerstag auch den russischen Botschafter deswegen einbestellt.

Die von Russland besetzten Gebiete gehörten genauso wie die Krim völkerrechtlich zur Ukraine. Russland sei als Besatzungsmacht völkerrechtlich verpflichtet, das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte einzuhalten und die bestehende ukrainische Rechtsordnung zu respektieren. Eine Besatzungsmacht erlange keine Souveränität über ein besetztes Gebiet.

Der Bundesrat fordert Russland auf, die Abhaltung der sogenannten Referenden in der Ukraine zu beenden, den zu erwartenden Anträgen auf Aufnahme der Gebiete in die Russische Föderation nicht Folge zu leisten sowie weitere Schritte in Richtung Besetzung und Annexion zu unterlassen. Der Bundesrat beobachte zudem die russische Teilmobilmachung mit grosser Sorge und fordere Russland zur Deeskalation sowie zum vollständigen Rückzug aus den ukrainischen Gebieten auf.

14 000 Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Umwelt

tsf.

Mikroplastik ist überall: In Ozeanen, arktischem Eis, in den Bergen, Flüssen, Seen, Böden und in der Luft finden sich die schädlichen und schwer abbaubaren winzigen Plastikteilchen. Wie der Bundesrat in einem am Freitag veröffentlichten Bericht aufzeigt, gelangen in der Schweiz jährlich rund 14 000 Tonnen Makro- und Mikroplastik in die Umwelt, sei dies in der Herstellung, der Nutzung oder der Entsorgung von Kunststoffen.

Mehr als die Hälfte dieser Plastikrückstände stammt vom Abrieb von Autoreifen. Weitere wichtige Ursachen seien Littering, das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfällen (2700 Tonnen) oder Kunststoffe im Grüngut, die mit Kompost und Gärgut in die Umwelt gelangen (100 Tonnen). Zu Hause gelangen Kunststoffe auch als Inhaltsstoffe in Kosmetika oder beim Waschen von synthetischen Textilien übers Abwasser in die Gewässer.

In der Schweiz würden seit Jahren Massnahmen zur Verringerung der Umweltbelastung durch Kunststoffe umgesetzt: beispielsweise mit Sammelstellen für PET-Getränkeflaschen, dem Trennen der Abfälle fürs Recycling oder mit Sensibilisierungskampagnen und Sanktionen gegen Littering. Dennoch gibt es laut dem Bericht des Bundesrats Potenzial zur Verbesserung. Dabei solle der Fokus primär darauf liegen, Abfälle zu vermeiden und kreislauffähige Materialien und umweltschonende Alternativen zu fördern. Zielführend ist gemäss dem Bericht eine Kombination aus Sensibilisierungsmassnahmen, Entwicklung neuer Technologien, Verfahrensoptimierungen sowie Verboten und Geboten.

Mobiles Notkraftwerk in Birr kann rasch gebaut werden

tsf.

Im Hinblick auf mögliche Stromlücken kann das Notkraftwerk im aargauischen Birr zügig gebaut werden. Der Bundesrat hat am Freitag die entsprechenden Bewilligungen erteilt. Damit können die Arbeiten zum Aufbau des temporären Reservekraftwerks auf dem Firmengelände von GE Gas Power unverzüglich aufgenommen werden. Vorgesehen ist, dass es im Februar 2023 einsatzbereit ist, wie es in der Mitteilung der Landesregierung heisst.

Das Notkraftwerk kann acht mobile Turbinen mit einer Leistung von insgesamt rund 250 Megawatt betreiben. Das entspricht etwa der zweieinhalbfachen Leistung des Wasserkraftwerks Rheinfelden. Die Turbinen funktionieren mit Gas, Öl oder mit Wasserstoff. Das Reservekraftwerk soll ab Februar 2023 bis Frühling 2026 als Absicherung für den Notfall zur Verfügung stehen.

Während der Bauarbeiten kontrollieren die zuständigen Behörden von Kanton und Bund, dass die Vorschriften des Raumplanungs-, Bau-, Umwelt- und Energierechts eingehalten werden. Für den Aufbau der Anlage gelten die Spezialbestimmungen der «Verordnung über die Bereitstellung eines temporären Reservekraftwerks in Birr».

Für den Betrieb braucht es Anpassungen der Lärmschutz- und Luftreinhalteverordnungen sowie eine Verordnung für den Abruf der Reserve. Der Bundesrat werde darüber in den nächsten Wochen entscheiden, teilte er mit.

Jüngere Schweizer sind am EU-skeptischsten

ela.

Die Begeisterung für die EU hat bei jüngeren Menschen stark abgenommen. Mittlerweile steht die Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen der EU am skeptischsten gegenüber. 2019 sprachen sich nur noch 6,5 Prozent für einen EU-Beitritt aus. In den 1990er Jahren wollten dagegen fast 60 Prozent der 18- bis 34-Jährigen der EU beitreten, rund 32 Prozent lehnten dies ab. Das geht aus den Zahlen der Selects-Studien hervor, die SRF vergleichend aufbereitet hat.

Bei den über 65-Jährigen sprachen sich 2019 noch über 20 Prozent für einen EU-Beitritt aus. Doch auch bei ihnen hatte 1995 mit rund 43 Prozent die Begeisterung für die EU weit höher gelegen. Die höchste Zustimmung fand die EU im Jahr 1999 mit fast 60 Prozent bei der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen. Seit den 2000ern hat die EU-Begeisterung in allen befragten Altersgruppen spürbar nachgelassen.

Der Politgeograf Michael Hermann erklärte gegenüber SRF, dass über die Beitrittsfrage nur in den 1990er Jahren als Option ernsthaft politisch diskutiert worden sei, nach der EWR-Abstimmung 1992 sei sie zur zentralen politischen Frage geworden. Die junge Generation sei politisch sozialisiert worden, als der Beitritt vom Tisch gewesen sei. Entsprechend gebe es nur wenige, die das als Herzensthema sähen. Bei den Älteren hätten dagegen einige ihre Haltung beibehalten.

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